MARIA-SIBYLLA LOTTER IM GESPRÄCH MIT LUDGER HAGEDORN
SONNTAG, 27.09.2026 / 12h30
AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE WIEN, SITZUNGSSAAL
Durch die Ausdehnung psychiatrischer und moralischer Kategorien in unserer Gesellschaft hat sich ein Wandel im Menschenbild vollzogen, der beträchtliche kulturelle und politische Konsequenzen hat. Endlich haben auch die Opfer einen Platz im öffentlichen Diskurs, und es fällt uns leichter, Verwundbarkeit zu akzeptieren. Während die Gesellschaft menschlicher wird, wächst aber auch das Risiko, dass Menschen durch die Identifikation mit Verwundbarkeit und Opferrolle ihre Handlungsfähigkeit und Freiheit einbüßen. Die Philosophin MARIA-SIBYLLA LOTTER plädiert für die Beibehaltung der Selbstverantwortung, auch wenn wir Verletzungen erfahren. Mit IWM Permanent Fellow LUDGER HAGEDORN erörtert sie die Frage, wie sich Anerkennung von Verletzlichkeit mit Handlungsfähigkeit verbinden ließe.
MARIA-SIBYLLA LOTTER lehrt als Professorin für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum. Sie schreibt für ZEIT, NZZ und andere Medien. Nach Forschungs- und Lehraufenthalten unter anderem in St. Louis, Heidelberg, Konstanz und Zürich habilitierte sie sich 2010 mit einer Arbeit zur Moraltheorie. Anhand von Themen wie Scham, Schuld, Vergeltung und Versöhnung, Respekt oder Lüge hat sie sich eingehend mit den kulturellen Grundlagen der Moral befasst. Opfer. Verwundbarkeit als Selbstbild ist 2026 im Hanser Verlag erschienen und auf große Resonanz gestoßen.

© Maria Feck
